Der Gebirgsflug mit dem Segelflugzeug rund um Samedan gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich anspruchsvollsten Disziplinen im Luftsport. Eingebettet im Oberengadin, bietet die Region ideale Voraussetzungen für ausgedehnte Flüge – geprägt von alpiner Thermik, Hangaufwinden und charakteristischen Windsystemen.
Eine Besonderheit des Flughafen Samedan ist der reine Windenstartbetrieb im Segelflug. Anders als auf vielen anderen Flugplätzen werden hier keine Schleppstarts durchgeführt. Stattdessen erfolgt der Start mithilfe einer Seilwinde, die das Segelflugzeug in kurzer Zeit auf Höhe zieht. Diese Startart ist effizient und ermöglicht viele Starts in kurzer Folge, erfordert jedoch präzises Fliegen – insbesondere in der dünneren Luft auf über 1.700 Metern Höhe.
Nach dem Ausklinken beginnt der eigentliche Gebirgsflug im Engadin. Eine zentrale Rolle spielen dabei die lokalen Windsysteme. Besonders bekannt ist der Malojawind – ein thermisch bedingter Talwind, der durch die Erwärmung der Luft im Bergell entsteht. Dabei strömt Luft über den Malojapass ins Engadin hinein und kann sich im Tagesverlauf stark verstärken.
Für Segelflieger bedeutet der Malojawind einerseits zusätzliche Aufwindmöglichkeiten entlang der Hänge, andererseits aber auch anspruchsvolle Bedingungen durch Turbulenzen und Windscherungen. Seine stärkste Ausprägung erreicht er meist am Nachmittag, wenn Temperaturunterschiede am größten sind.
Zusätzlich können bei geeigneter Großwetterlage in den Schweizer Alpen ausgeprägte Leewellen entstehen. Diese ermöglichen spektakuläre Höhenflüge weit über Gipfelniveau hinaus, gehen jedoch häufig mit starken Turbulenzen im Lee der Berge einher.
Auch landschaftlich ist das Gebiet einzigartig: Gipfel wie der Piz Bernina, Gletscher und weite Täler bieten eine beeindruckende Kulisse. Gleichzeitig verlangt der Flug höchste Konzentration und gute Vorbereitung, da Wetterumschwünge, Fallwinde und begrenzte Außenlandemöglichkeiten jederzeit eine Rolle spielen können.
Der Segelflug in Samedan ist damit ein intensives Zusammenspiel aus Technik, Wetterverständnis und alpiner Erfahrung. Der reine Windenstartbetrieb in Kombination mit komplexen Windsystemen wie dem Malojawind macht dieses Gebiet besonders – und fordert selbst erfahrene Pilotinnen und Piloten immer wieder aufs Neue heraus.
